Schöne,neue Lehrter Konsumwelten

Oktober 13, 2007

Also doch. Wer „A“ zur „Bebauung des Zuckerfabriksgelände sagt muss wohl auch „C“ sagen. Damit die Welt in Lehrte nicht so klein bleibt, wollen uns die Großinvestoren mit ihren Welten beglücken. Noch einen Baumarkt hatte der Rat Lehrte ja abgelehnt. Nun ja, eine Bauwelt ist ja auch ganz etwas anderes. Damit BürgerInnen ein Licht aufgeht, sind die hiesigen Baumärkte wohl nicht mehr zeitgemäß.

Freuen wir uns auf schöne,neue Bau-Küchen-Garten-uws.-welten. Sie bringen uns auch viele neue überörtliche Konsumenten, die ihre Autos endlich auf einem Weg und an einem Ort sofort vollbekommen. Auch mit dem was sie bei anderen noch übriggebliebenen örtlichen Einzelhändlern erst bestellen und damit sogar noch darauf warten müssten. Und die saustarken Angebote hat der örtliche Kaufmann auch nicht in seinem günstigem Qualitätssortiment.

Als fußläufiger Mensch auf dem Weg vom Lehrter Bahnhof zu den neuen Welten hat man es allerdings etwas schwerer. Zur Not kann sich der Mensch ja auch mit einem Navigationssystem helfen, falls er spätestens am Neisecker Bauzaun die Orientierung verliert. Vielleicht haben ja auch inzwischen weitsichtige Baumarktweltverbesserer für den suchenden Weltbürger einen schönen drahtigen Werbeturm in die Blickachse zu den globalen Flachbauten auf die C-Fläche gestellt. Schließlich sollen alle schon von der Autobahn aus sehen, dass in Lehrte die Welt zu Hause ist. Falls immer noch orientierungslos kann man kann natürlich auch auf der Noch-Fußgängerzone? in Höhe Parkhaus einen Ortskundigen fragen, ob die Mauer hinter der Volksbank schon der fensterlose Rücken der neuen Welt ist, oder doch erst deren Lagerhalle mit der schicken Nottreppe.

Im Park angekommen, stellt sich vielleicht die Frage, wie jemand auf die Idee kommen konnte den Riesenparkplatz mit einem derart aufwendigem Grüngürtel zu teilen. So ein Naherholungsgebiet ist eben auch einmalig und lockert das ganze Buden- und Autoblech-ensamble doch etwas auf.

Lagerhallenromantiker mit Blick vom Stadtpark aus auf den ersten Entwurf unser Lehrter Jahrhundertchance-Architektur werden auch mit dem 2. Entwurf auf der C-Fläche zufrieden sein. Bundes- und weltweit agierende „Frequenzbringer“ und „Magneten“ haben ihren Charme von „Gewerbebau-Ästetik“ sicher auch hier in Lehrte verwirklicht.

Unser fußläufiger Mensch bei seinem antiquiertem Wunsch unter Arcaden und auf Promenaden zu bummeln, wird ja am Ende seines Wege durch die optischen Umweltverschmutzungen entschädigt, wenn es gerde an einer windigen Ecke zwischen Parkplatz und Fassaden eines dieser „Angebots-Rabbatt-Neue Schnäppchen-Konsumfamilien-Feste“ gibt.

Immerhin ist unser Wasserturm inzwischen noch mehr aufgewertet worden. Vielleicht mit Hilfe des „Mc.Coffee “ eines Global-Players, natürlich auch im passenden Gewerbe-ambiente , um darin mit einem „Mc.Roll“ gestärkt in die „C-Welten“ einzutauchen.

 In einem  zu erwartenden überdimensioniertem lieb-und charakterlosen  Hallenenambiente, kann ich mir einfach nicht vorstellen, daß mich hier im Innern ausgerechnet  die Inovation im Kundenservice-bereich überrascht und keine Fragen und Wünsche offen bleiben. Oder sorgen die neuen Bauweltbetreiber dafür, dass die Umweltignoranten unter den Herstellern und Händlern keine Chance mehr in Lehrte haben ?

Hiesige Händler kämpfen ums Überleben, öffnet man den in Rabattschlachten gestärkten Kampfpreisstrategen Tor und Tür. Mit dem Verschwinden der ortsansässigen Läden stirbt auch eine Einkaufskultur mit Bezug und Interesse an unserer Stadt und zu ihren Menschen.

Wenn wir Glück haben sind Einkaufserlebnisse im ästetischen, kulturen und sozialen Sinn immerhin als Kosmetik und für Individualisten hier und da übriggeblieben.

Zum Glück haben wir ja noch den Wasserturm, die Schlosserei und die Pulvermühle die aus der neuen Gewerbewüste herausragen werden.

Den im Industrie-Design errichteten Weltwerbeturm hinterm Wasserturm hat man dann übrigens, in der Sonderausgabe  des  Stadtmarketing-Layouts  für Lokalpatrioten und Lehrter Backsteinromantiker, wegretuchiert.

 

 

 

Hallo Welt!

Oktober 13, 2007

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